Sensibilisierende Stoffe und Inhaltsstoffe

Bei sensibilisierenden Stoffen oder Gemischen ist  eine kurze Tätigkeitsdauer < 15 Minuten nicht anzuwenden. (EMKG)

Eine Auflistung sensibilisierender Stoffe, für die Entstehung eines allergischen Kontaktekzems von Bedeutung sind, ist in der TRGS 401 zu finden.

Regeln zu sensibilisierenden Stoffen für die Atemwege sind in der TRGS 406 zu finden. Es gibt einige biologische Stoffe, die sensibilisierend wirken. Es ist zu klären, ob biologische Arbeitsstoffe ausschließlich in der Gefährdungsbeurteilung für Biostoffe beurteilt werden.

Eine einmal erworbene Sensibilisierung bleibt in der Regel lebenslang bestehen. Jeder erneute Kontakt führt zu allergischen Reaktionen. Beispiele für Kontaktallergene sind Nickelsalzbäder in der Galvanik, Epoxid- und Polyesterharze sowie deren Härter, PU-Harze, -Kleber und -Lacke, Acrylatkleber (Sekunden- oder Schraubensicherungskleber) und Härter von Spachtelmassen.


Stoffe/Gemische, die allergische Reaktionen hervorrufen können

Eine  Sensibilisierung läuft in zwei Phasen ab.

 In der ersten Phase (Induktion) entwickelt sich nach Exposition gegenüber einem Allergen ein spezielles immunologisches Gedächtnis. Die zweite Phase besteht in der Auslösung einer zell- oder antikörpervermittelten allergischen Reaktion bei Exposition eines sensibilisierten Individuums gegenüber einem Allergen (Auslösephase).

Sowohl bei der Haut- als auch bei der Atemwegssensibilisierung erfolgt die Auslösung bereits bei einer niedrigeren Exposition als die Induktion.

Die Gemische werden mit den Gefahrensätzen

  • H334: Kann bei Einatmen Allergie, asthmaartige Symptome oder Atembeschwerden verursachen
  • H317: Kann allergische Hautreaktionen verursachen

gekennzeichnet.


Hautresorptive Stoffe

Hautresorptiv sind Stoffe, die aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften über die Haut aufgenommen werden können. (TRGS 401).

Bei hautresorptiven Gefahrstoffen ist sowohl der direkte Hautkontakt als auch die Aufnahme des Stoffes über die Gas-/Dampfphase bzw. Aerosole zu berücksichtigen. In der Anlage 2 Nummer 1 der TRGS 401 sind beispielhaft Stoffe genannt, bei denen die Aufnahme über die Gas-/Dampfphase einen zusätzlichen relevanten Aufnahmepfad darstellt:

1. aromatische und aliphatische Amino- und Nitroverbindungen wie Anilin, Toluidin, Nitrobenzol, Triethylamin oder Anisidin,

2. zahlreiche Phenolverbindungen wie Phenol, Kresol oder Hydrochinon,

3. spezielle Lösemittel wie Dimethylformamid (DMF), Glykolether, Ethylbenzol,

4. halogenierte Kohlenwasserstoffe wie Chlorbenzol, Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff,

5. zahlreiche Pestizide, insbesondere Organophosphate, z.B. Parathion,

6. manche metallorganischen Verbindungen, insbesondere die sehr giftigen Methylquecksilberverbindungen,

7. Flusssäure, Salpetersäure,

8. Dimethylsulfoxid sowie

9. Ottokraftstoff, Frostschutzmittel, Bremsflüssigkeit

Eine geringe Gefährdung durch Hautkontakt mit hautresorptiven Stoffen liegt vor bei Tätigkeiten mit kleinflächigem und kurzfristigem Hautkontakt mit Gefahrstoffen, Kennzeichnung H312: Gesundheitsschädlich bei Hautkontakt (TRGS 401).


Krebserzeugende, mutagene und reproduktionstoxische  Stoffe (KMR)

Stoffe und Gemische sind nach CLP entsprechend gekennzeichnet (H-Sätze).Weitere Quellen sind die TRGS 905 „Verzeichnis krebserzeugender, keimzellmutagener oder reproduktionstoxischer Stoffe“, die TRGS 906 „Verzeichnis krebserzeugender Tätigkeiten oder Verfahren nach § 3 Absatz 2 Nr. 3 GefStoffV“ und die TRGS 907 „Verzeichnis sensibilisierender Stoffe und von Tätigkeiten mit sensibilisierenden Stoffen“).

Treten bei Tätigkeiten mehrere Gefahrstoffe gleichzeitig auf, so sind bekannte Wechsel- oder Kombinationswirkungen mit Einfluss auf die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten bei der Arbeit in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen.

Beispiele für bekannte Wechsel- und Kombinationswirkungen sind:

1. Lösemittelgemische, die zu Erkrankungen des Nervensystems führen können,

2. Asbest und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) (Verstärkung der krebserzeugenden Wirkung),

3. Asbest und Rauchen (Verstärkung der krebserzeugenden Wirkung),

4. Stoffe, z.B. bestimmte Lösemittel, die die Aufnahme anderer Gefahrstoffe über die Haut erhöhen (Carrier-Effekt).

Wechsel- und Kombinationswirkungen können auch andere Gefährdungen betreffen, z. B. bei gleichzeitiger Belastung von Lärm und Stoffen, die ototoxisch wirken (siehe auch TRLV Lärm Teil 1 Beurteilung der Gefährdung durch Lärm).


Expositionsverzeichnis

Der Arbeitgeber hat ein Expositionsverzeichnis  über Beschäftigte zu führen, die Tätigkeiten mit krebserzeugenden und keimzellmutagenen Gefahrstoffen der Kategorien 1A und 1B ausüben und eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden kann.

Folgende Gefahrstoffe fallen darunter:

  • Stoffe, die gekennzeichnet sind mit H340, H350 oder H350i
  • Stoffe, die in der TRGS 905 als krebserzeugend der Kategorie 1A oder 1B, oder als keimzellmutagen der Kategorie 1A oder 1B eingestuft sind (nach alter Nomenklatur K1 u.2 bzw. M1 u.2)
  • Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die in der TRGS 906 „Verzeichnis krebserzeugender Tätigkeiten oder Verfahren  aufgeführt sind.

Eine Aufnahme in das Verzeichnis ist nicht erforderlich, bei

  • Arbeiten nach VSK (Verfahrens- und stoffspezifischen Kriterien mit AGW Einhaltung)
  • Tätigkeiten an geschlossenen, technisch dichten Anlagen
  • labortypischen Tätigkeiten mit laborüblichen Mengen
  • auf Grund der geringen Menge, der kurzen Expositionsdauer und der physikalisch-chemischen Eigenschaften der Stoffe (wie z.B. Dampfdruck, Staubungsverhalten, Viskosität) nur eine geringe Gefährdung besteht.

Beispiel

Auszug aus einer Gefährdungsbeurteilung „KMR-Stoffe, sensibilisierende oder hautresorptive Stoffe“

tabelle-kmr-stoffe-hautresorbierend-sensibilisierend

Hier können Sie die Excel-Tabelle erhalten:

    Ich bitte um Zusendung der Tabelle zur Erstellung einer Gefahrstoffbeurteilung mit Beispielen