Arbeitsmedizinische Vorsorge

Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, Gefahren am Arbeitsplatz so weit wie möglich zu reduzieren oder auszuschalten. In den Fällen, wo eine Ausschaltung nicht möglich ist und Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz bestehen können, kommt die Arbeitsmedizin ins Spiel. Zunächst muss für jeden Arbeitsplatz eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt. Es wird festgestellt, ob überhaupt oder in welchem Maß Gefahren für die Gesundheit bestehen. Dann wird festgelegt, ob eine Pflichtvorsorge, eine Angebotsvorsorge oder eine Wunschvorsorge durchgeführt oder angeboten wird. Das gilt für alle Gefährdungen, im Speziellen auch für Gefährdungen im Umgang mit Gefahrstoffen.

Die gesetzliche Grundlage für arbeitsmedizinische Vorsorge ist die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV). An dieser Stelle kann nachgelesen werden, welche Gesundheitsgefährdungen sowie Bedingungen am Arbeitsplatz bestehen müssen, um eine arbeitsmedizinische Vorsorge zu veranlassen.

Pflichtvorsorge

Wenn festgestellt wurde, dass erhebliche Gesundheitsgefahren bestehen können und Arbeitsplatzgrenzwerte nicht eingehalten werden, muss eine Pflichtvorsorge durchgeführt werden. Der Beschäftigte muss daran teilnehmen. Ohne Pflichtvorsorge darf er an dem Arbeitsplatz nicht arbeiten.  Die Pflichtvorsorge wird regelmäßig wiederholt.

Angebotsvorsorge

Wenn in der Gefährdungsbeurteilung festgestellt wurde, dass am Arbeitsplatz die Möglichkeit einer Gesundheitsgefährdung besteht, muss der Arbeitgeber eine Vorsorge anbieten. Der Beschäftigte muss das Angebot nicht annehmen. Wenn er ablehnt, darf das nicht zu seinem Nachteil sein. Das Angebot, auch bei einer Ablehnung muss regelmäßig schriftlich wiederholt werden. Sie können es sich also jedes Mal neu überlegen, ob Sie daran teilnehmen möchten.

Wann ist eine Pflichtvorsorge erforderlich?

Wenn Arbeitsplatzgrenzwerte überschritten werden, muss eine Pflichtvorsorge durchgeführt werden. Darunter fällt der Umgang mit folgenden Stoffen:

Acrylnitril, Alkylquecksilberverbindungen, alveolengängiger Staub (A-Staub), aromatische Nitro- und Aminoverbindungen, Arsen und Arsenverbindungen, Asbest, Benzol, Beryllium, Bleitetraethyl und Bleitetramethyl, Cadmium und Cadmiumverbindungen, Chrom-VI-Verbindungen,  Dimethylformamid, einatembarer Staub (E-Staub), Fluor und anorganische Fluorverbindungen, Glycerintrinitrat und Glykoldinitrat (Nitroglycerin/Nitroglykol), Hartholzstaub, Kohlenstoffdisulfid,  Kohlenmonoxid, Methanol, Nickel und Nickelverbindungen, Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (Pyrolyseprodukte aus organischem Material), weißer Phosphor (Tetraphosphor), Platinverbindungen, Quecksilber und anorganische Quecksilberverbindungen,  Schwefelwasserstoff, silikogener Staub, Styrol, Tetrachlorethen, Toluol, Trichlorethen, Vinylchlorid, Xylol (alle Isomeren).

Für bestimmte Tätigkeiten mit Gefahrstoffen müssen ebenso Pflichtvorsorgen durchgeführt werden.

Feuchtarbeit von regelmäßig vier Stunden oder mehr je Tag, Schweißen und Trennen von Metallen bei Überschreitung der Grenzwerte durch Schweißrauch, Exposition gegenüber Getreide- und Futtermittelstäuben bei Überschreitung der Arbeitsplatzgrenzwerte,  Tätigkeiten mit Isocyanaten mit Hautkontakt oder Überschreitung der Grenzwerte, Exposition durch Labortierstaub in Tierhaltungsräumen und -anlagen,  Tragen von Naturgummilatexhandschuhen mit mehr als 30 Mikrogramm Protein je Gramm im Handschuhmaterial,  Umgang mit unausgehärteten Epoxidharzen,  Exposition gegenüber Blei und anorganischen Bleiverbindungen bei Überschreitung der Arbeitsplatzgrenzwerte, Freisetzung von Fasern aus Hochtemperaturwollen, eingestuft als krebserzeugend Kategorie 1A oder 1B,  Exposition gegenüber Mehlstaub bei Überschreitung der Arbeitsplatzgrenzwerte.

Wann ist eine Angebotsvorsorge erforderlich?

Eine Angebotsvorsorge ist den Beschäftigten anzubieten, wenn eine Exposition der oben genannten Gefahrstoffen oder Tätigkeiten mit Gefahrstoffen nicht ausgeschlossen werden kann, eine Pflichtvorsorge aber nicht erforderlich ist, da die Arbeitsplatzgrenzwerte eingehalten werden.

Pflichtvorsorge

Wenn festgestellt wurde, dass erhebliche Gesundheitsgefahren bestehen können und Arbeitsplatzgrenzwerte nicht eingehalten werden, muss eine Pflichtvorsorge durchgeführt werden. Der Beschäftigte muss daran teilnehmen. Ohne Pflichtvorsorge darf er an dem Arbeitsplatz nicht arbeiten.  Die Pflichtvorsorge wird regelmäßig wiederholt.

Angebotsvorsorge

Wenn in der Gefährdungsbeurteilung festgestellt wurde, dass am Arbeitsplatz die Möglichkeit einer Gesundheitsgefährdung besteht, muss der Arbeitgeber eine Vorsorge anbieten. Der Beschäftigte muss das Angebot nicht annehmen. Wenn er ablehnt, darf das nicht zu seinem Nachteil sein. Das Angebot, auch bei einer Ablehnung muss regelmäßig schriftlich wiederholt werden. Sie können es sich also jedes Mal neu überlegen, ob Sie daran teilnehmen möchten.

Das Thema arbeitsmedizinische Vorsorge ist komplex und kann an dieser Stelle nur kurz dargestellt werden. Ziehen Sie Ihren Arbeitsmediziner hinzu. Aus der Gefährdungsbeurteilung sollte herauszulesen sein, ob Pflicht- oder Angebotsvorsorgen erforderlich sind.


Beispiel

Auszug aus einer Gefährdungsbeurteilung “Arbeitsmedizinische Vorsorge”

Hier können Sie die Excel-Tabelle erhalten:

    Ich bitte um Zusendung der Tabelle zur Erstellung einer Gefahrstoffbeurteilung mit Beispielen