Nach der Technischen Regel 401 „Gefährdung durch Hautkontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen“ ist die Hautbelastung getrennt von anderen Gefährdungen (oral, inhalativ, physikalisch) durch Gefahrstoffe zu betrachten.  Art, Ausmaß und Dauer sind in die Beurteilung einzubeziehen.

EMKG

Das einfache Maßnahmenkonzept (EMKG) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) bietet für kleine und mittlere Unternehmen ein Hilfsmittel an, mit dem in wenigen Schritten eine Gefahrstoffbeurteilung durchgeführt werden kann.

Kriterien der Hautbelastung nach EMKG

  • Gefährlichkeitsgruppe
  • Wirkfläche
  • Wirkdauer

Gefährlichkeitsgruppen nach H-Sätzen

H310Lebensgefahr bei Hautkontakt
H311Giftig bei Hautkontakt
H312Gesundheitsschädlich bei Hautkontakt
H314
(hautätzend, 1B, 1C) 
Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden
H314
(hautätzend 1A)   
Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden.
H315Verursacht Hautreizungen
H317Kann allergische Hautreaktionen verursachen
H340Kann genetische Defekte verursachen
H341Kann vermutlich genetische Defekte verursachen
H350Kann Krebs erzeugen.
H351Kann vermutlich Krebs erzeugen
H360Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder das Kind im Mutterleib schädigen
H360DKann das Kind im Mutterleib schädigen
H360DfKann das Kind im Mutterleib schädigen. Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen
H360FKann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen
H360Fd   Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen.
H360FDKann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann das Kind im Mutterleib schädigen.
H361Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder das Kind im Mutterleib schädigen
H361dKann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen
H361fKann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen
H361fdKann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen
H370Schädigt die Organe
H371Kann die Organe schädigen
H372Schädigt die Organe bei längerer oder wiederholter Exposition
EUH066Wiederholter Kontakt kann zu spröder oder rissiger Haut führen

Wirkfläche

Die Wirkfläche des Gefahrstoffes auf der Haut besteht hauptsächlich aus dem direkten Kontakt. Darüber hinaus ist auch ein Hautkontakt durch Dämpfe, Stäube, Aerosole möglich. Diese Möglichkeit ist in der Beurteilung zu betrachten. Es darf auch nicht übersehen werden, dass Gefahrstoffe über verschmutzte Kleidung auf die Haut einwirken können.

Schutzhandschuhe, die bei der Tätigkeit getragen werden, werden bei der Beurteilung nicht berücksichtigt.

In der Beurteilung nach EMKG wird zwischen einer kleinflächigen und großflächigen Benetzung unterschieden. Bei der kleinflächigen Benetzung geht man von Spritzern aus, die auf die Haut gelangen können. Bei der großflächigen Benetzung geht man von z.B. von einer Benetzung einer ganzen Handfläche und größere Flächen aus. Wenn Stäube, Dämpfe, Aerosole freiwerden, die hautschädigend sind, muss von einer großflächigen Benetzung ausgegangen werden.

HautkontaktWirkfläche
kleinflächiger Hautkontakt
(z.B. Spritzer)
klein
großflächiger Hautkontakt
(z.B. Benetzung der ganzen Hand, Aerosole,
Dämpfe, Stäube)
groß
Daten aus EMKG 2.2: Wirkfläche

Wirkdauer

Die Dauer des Hautkontakts mit dem Gefahrstoff bestimmt die Gefährdung. Nach EMKG wird zwischen kurzer und langer Wirkdauer unterschieden. Bei kurzer Wirkdauer beträgt der Hautkontakt max. 15 Minuten /Tag, bei langer Wirkdauer beträgt der Hautkontakt über 15 Minuten/Tag. Mehrere kurze Wirkdauern am Tag werden addiert.

Beachten Sie: Die Wirkdauer beginnt mit dem ersten Kontakt mit dem Gefahrstoff. Die Wirkdauer endet erst mit z. B. Reinigen der Hände oder Entfernen der beschmutzten Kleidung.

Hautkontakt Wirkdauer
unter 15 Minuten/Tagkurz
über 15 Minuten/Taglang
Daten aus EMKG 2.2: Wirkdauer

Feuchtarbeit

Feuchtarbeit kann vorliegen, wenn

•             Hände arbeitsbedingt ständig im Wasser sind,

•             Hände häufig gewaschen oder  desinfiziert werden,

•             flüssigkeitsdichte (ugs. Gummihandschuhe) Handschuhe getragen werden.

Nach EMKG ist bei Feuchtarbeit mit mehr als 2 Stunden pro Tag ein erweiterter Maßnahmenbedarf erforderlich.


Maßnahmenbedarf ermitteln

Anhand der Einstufung des Gefahrstoffs oder des Gemisches und Einbeziehung der Wirkfläche und Wirkdauer auf die Haut wird der Maßnahmenbedarf bestimmt.

massnahmenbedarf-haut-nach-EMKG

Sie haben nun ermittelt, ob die Gefährdung gering, mittel oder hoch ist. Bei EMKG heißt das niedrige Maßnahmenstufe, erweiterte Maßnahmenstufe oder hohe Maßnahmenstufe. Auf der Seite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) finden Sie Schutzleitfäden, die Ihnen weiterhelfen sollen, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Die Schutzleitfäden können Sie auf der Internetseite der baua unter folgendem Link abrufen:

https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Gefahrstoffe/EMKG/EMKG-Schutzleitfaeden.html

Bei niedriger Maßnahmenstufe gilt der Schutzleitfaden 120, bei erweiterter Maßnahmenstufe gilt der Schutzleitfaden 250.

Wenn Ihre Beurteilung zu einem hohen Maßnahmenbedarf führt, sollte unbedingt gehandelt werden. Prüfen Sie, ob ungefährlichere Stoffe/Produkte eingesetzt werden können. Prüfen Sie, ob die Tätigkeit in geschlossenen Systemen durchgeführt werden können und der Hautkontakt so ausgeschlossen werden kann oder eine deutlich kürzere Kontaktzeit besteht.


Beispiel

Auszug aus einer Gefährdungsbeurteilung “dermale Belastung”

Hier können Sie die Excel-Tabelle erhalten:

    Ich bitte um Zusendung der Tabelle zur Erstellung einer Gefahrstoffbeurteilung mit Beispielen