Nach der Technischen Regel 402 „Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen:  inhalative Exposition“  ist die Belastung der Atemwege über Inhalation getrennt von anderen Gefährdungen (oral, Haut, physikalisch) durch Gefahrstoffe zu betrachten.  Art, Ausmaß und Dauer sind in die Beurteilung einzubeziehen.

Wenn das Ergebnis eine geringe Gefährdung ergibt, sind keine weiteren Ermittlungen z.B.  in Form von Messungen oder Berechnungen, erforderlich.

Zeigt die Beurteilung eine mittlere oder hohe Gefährdung auf, ist die inhalative Exposition zu ermitteln. Dabei soll zunächst versucht werden, nichtmesstechnische Verfahren anzuwenden. Das kann eine Berechnung sein oder es werden Ergebnisse vergleichbarer Arbeitsplätze herangezogen. Das bedeutet, Recherchen in Datenbanken, bei Berufsgenossenschaften oder Unfallkassen oder an anderen Stellen durchzuführen.

Die Beurteilung der inhalativen Belastung ist zu dokumentieren.

Dazu gehört eine Tätigkeitsbeschreibung, aus der hervorgeht, wie mit dem Stoff umgegangen wird incl. Der Randbedingungen. Es ist anzugeben, wie die Exposition ermittelt wurde, zu welchem Ergebnis die Ermittlung geführt hat und  wie oft das Ergebnis kontrolliert werden soll.


EMKG

Das einfache Maßnahmenkonzept (EMKG) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) bietet für kleine und mittlere Unternehmen ein Hilfsmittel an, mit dem in wenigen Schritten eine Gefahrstoffbeurteilung durchgeführt werden kann.

Kriterien der inhalativen Belastung nach EMKG

  • Gefährlichkeitsgruppe des Stoffes
  • Mengengruppe
  • Freisetzungsgruppe

Gefährlichkeitsgruppen nach H-Sätzen

H300                      Lebensgefahr bei Verschlucken.

H301                      Giftig bei Verschlucken.

H302                      Gesundheitsschädlich bei Verschlucken.

H304                      Kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein.

H314                      Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden.

H318                      Verursacht schwere Augenschäden.

H319                      Verursacht schwere Augenreizung.

H330                      Lebensgefahr bei Einatmen.

H331                      Giftig bei Einatmen.

H332                      Gesundheitsschädlich bei Einatmen.

H334                      Kann bei Einatmen Allergie, asthmaartige Symptome oder Atembeschwerden verursachen.

H335                      Kann die Atemwege reizen.

H336                      Kann Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen.

H340                      Kann genetische Defekte verursachen

H341                      Kann vermutlich genetische Defekte verursachen

H350                      Kann Krebs erzeugen

H350i                     Kann bei Einatmen Krebs erzeugen.

H351                      Kann vermutlich Krebs erzeugen

H360                      Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder das Kind im Mutterleib schädigen

H360D                   Kann das Kind im Mutterleib schädigen.

H360Df                  Kann das Kind im Mutterleib schädigen. Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

H360F                    Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

H360Fd                 Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen.

H360FD                Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann das Kind im Mutterleib schädigen.

H361                      Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder das Kind im Mutterleib schädigen

H361f                    Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

H361d                   Kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen.

H361fd                  Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen.

H370                      Schädigt die Organe

H371                      Kann die Organe schädigen

H372                      Schädigt die Organe

H373                      Kann die Organe schädigen

EUH029                 Entwickelt bei Berührung mit Wasser giftige Gase.

EUH031                 Entwickelt bei Berührung mit Säure giftige Gase.

EUH032                 Entwickelt bei Berührung mit Säure sehr giftige Gase.

EUH070                 Giftig bei Berührung mit den Augen.

EUH071                 Wirkt ätzend auf die Atemwege.


Mengengruppe

Zu beachten ist, dass nicht immer die gesamte vorhandene Menge der Zubereitung oder des chemischen Stoffes am Arbeitsplatz über die Mengengruppe entscheidet. So ist z. B. das Abfüllen von 30 l einer Flüssigkeit aus einem Tank der Mengengruppe “mittel” zuzuordnen. Im Zweifelsfall sollten Sie jedoch die höhere Mengengruppe verwenden.

Hinweis zu großflächigen Anwendungen:

Bei großflächiger Anwendung von flüssigen Gefahrstoffen (z. B. Streichen, Reinigungsarbeiten) sollte die gehandhabte Menge des gesamten  Arbeitstages, nicht pro Tätigkeit, zugrunde gelegt werden, so darf z. B. bei der Mengengruppe “niedrig” die angewendete Menge 1 Liter/Arbeitstag nicht überschritten werden.


Freisetzungsgruppe

Bei Flüssigkeiten spielt der Siedepunkt oder der Dampfdruck eine Rolle. Je höher der Siedepunkt desto weniger Dampf entsteht über der Flüssigkeitsoberfläche und somit gelangt weniger Dampf in die Atemluft. Beim Dampfdruck ist es umgekehrt. Je höher der Dampfdruck, desto mehr Dampf entsteht über der Flüssigkeitsoberfläche und somit in die Atemwege. Daher sind diese physikalischen Daten für die Beurteilung wichtig.

Flüssigkeiten

Daten aus EMKG 2.2: Zuordnung der Freisetzungsgruppe für Flüssigkeiten

Stäube

Wässrige Lösungen werden der Freisetzungsgruppe „niedrig“ zugeordnet, wenn die gelösten Komponenten (z. B. Salze) eine geringe Flüchtigkeit aufweisen und nicht versprüht werden.

Aerosole werden bei der Freisetzung immer als hoch eingestuft.


Maßnahmenbedarf bei inhalativer Belastung


Maßnahmenstufen

Wenn Sie Ihr Produkt anhand der vorstehenden Tabelle eingestuft haben, können Sie daraus die Maßnahmenbedarfe ableiten. Die Schutzleitfäden können Sie auf der Internetseite der baua unter folgendem Link abrufen:

https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Gefahrstoffe/EMKG/EMKG-Schutzleitfaeden.html

In der Praxis haben sich aus meiner Sicht die Schutzleitfäden nicht bewährt. Es sind einige Beispiele aus der Großindustrie beschrieben und nicht übertragbar auf Kleinbetriebe. Wenn Sie die Grundmaßnahmen aus der TRGS 500 „Schutzmaßnahmen“ einhalten, haben Sie für die Sicherheit viel getan.


Beispiel

Auszug aus einer Gefährdungsbeurteilung “inhalative Belastung”

tabelle-zur-gefahrstoffbeurteilung-der-inhalativen-belastung
Tabelle zur Gefahrstoffbeurteilung der inhalativen Belastung

Hier können Sie die Excel-Tabelle erhalten:

    Ich bitte um Zusendung der Tabelle zur Erstellung einer Gefahrstoffbeurteilung mit Beispielen